Heimatverein zu Besuch beim Homo Heidelbergensis

Erstellt: Donnerstag, 19. September 2019
Geschrieben von Super User

Zwischen Waldelefanten und Bären

Daniel Hartmann betrat am 21. Oktober 1907 wie gewohnt nach getaner Tagesarbeit seine Stammkneipe in Mauer bei Heidelberg und ließ sich zuerst mal zwei oder drei Schnäpse einschenken. Dann meinte er zu Bekannten und Gästen laut: „Ich glaab, isch hab‘ heit de Adam funne!“. Hartmann war als Sandgrubenarbeiter bei Grabarbeiten im Gewann Grafenrain auf Knochenfragmente, vor allem auf Teile eines 600.000 Jahre alten menschlichen Unterkiefers, gestoßen.

Gespannt lauschten 40 Mitglieder und Freunde des Heimatvereins den Ausführungen der versierten Paläantropologin Kristina Eck aus Speyer. Schautafeln zeigten den Fund des etwa 30 Jahre alten Urmenschen: „25 bis 30 Jahre war die Lebenserwartung vor 600.000 Jahren“. Eck erklärte den Unterschied zwischen den Knochen eines (Ur)Menschen und denen eines Affen: Menschen haben z.B. keine großen Eckzähne wie Affen. Affen wiederum verfügen nicht über ein Kinn wie der Mensch. Eine weitere Tafel zeigte den erstaunten Anwesenden, dass z.Zt. des Homo Heidelbergensis eine Neckarschlinge (Arm des Neckars) das Gebiet um Mauer durchzog. Dennoch haben Untersuchungen bestätigt, dass der Heidelbergensis kein „Schwabe“ sondern ein echter Einheimischer war.

Interessant waren die Erläuterungen im Rathaus über die Entwicklung der Menschheit: Die Anfänge lagen nachweislich in Europa, Afrika und Asien. „Alle Menschen tragen übrigens 4 % der DNA der Neandertaler in sich“ wusste die Referentin.

10.000 Tierfossilien-Funde gab es hier in Mauer, unter anderem lebten in diesem Gebiet Waldelefanten, Wollnashörner, Löwen, Säbelzahntiger und Hyänen sowie Bären und Leoparden. Alles was in Vitrinen an Fragmenten gesammelt war, erklärte Kristina Eck ausführlich.

Nächste Station war die ehemalige Klosterkirche in Lobenfeld, in der Pfarrer Günter Schuler deren bewegte Geschichte erklärte. Erbaut um 1145 von Augustiner-Chorherren aus Frankental erlebte das Kloster die Zugehörigkeit zwischen katholischer und protestantischer Kirche, diente als Klostergut oder stand lange Zeit ungenutzt. Romanische und gotische Wandmalerei, Fresken und eine Dickelorgel von 1773 rundeten das historische Bild ab. Bemerkenswert ist das restaurierte Langhaus, das eine architektonische Besonderheit darstellt.

Heute ist das Kloster Lobenfeld ein Geistliches Zentrum der evangeli-schen Landeskirche Baden. Pfarrer Schuler hielt zum Schluss der Begehung ein Bonbon für den Heimatverein Neulußheim parat: „Ein Quadrat in dem auf den Boden am Aus-/Eingang gemeißelten Kreuz ist speziell für den Heimatverein reserviert“, was dem Pfarrer einen besonders starken Beifall einbrachte.

Dem Geist war Genüge getan, nun wollte der Leib sein Recht: im Gasthaus „Kloster“ stärkte man sich für die Auflösung des Preisrätsels. Große Frage: wer hatte sich die geschichtlichen Fragen gemerkt und wer kannte die Neilossemer Ausdrick?

Den 1. Preis ergatterte sich……., über den 2. Platz – ebenfalls ein Gutschein - freute sich Friedrich Schmitt und auf Platz 3 holte sich den Gutschein Herbert Engelhorn. Alle drei wussten was ein „Nischl“ (Nase), „Zigumma“ (Gurke) oder eine „Altleddischi“ (ältere unverheiratete Frau) sind.

Zur allgemeinen Erheiterung trugen auf zwei Blättern notierte Neilossema Werter bei, bei denen jede/r testen konnte: bin ich än Oigfleischde odda brauch isch Nooch-hilf, damit isch oigebirschert werre konn? 

Jeder Teilnehmer erhielt eine kleine Süßigkeit als Wegzehrung für den Heimweg. Mit neuen Eindrücken und viel Wissen um die nähere Heimat ging es zurück nach „Neilosse“.

Gisela Jahn

Wasserkunst im Schlossgarten

Erstellt: Donnerstag, 20. Juni 2019
Geschrieben von Super User

Die kunstvollen Wasserspiele im Schwetzinger Schlossgarten waren das Ziel einer Exkursion des Neulußheimer Heimatvereins. Eine interessierte Gruppe mit Dr. Ralf Wagner, Vorstandsmitglied im Heimatverein, hörte und sah, was es an raffinierter Technik für die kunstvollen Wasserspiele des Schlossgartens braucht „Wasser verschönt den Garten sehr, besonders wenn es fließt und wenn es aus Fontänen hervorsprudelt und springt“ rühmt schon der Intendant der königlichen Gärten in Paris. Das ist im Schwetzinger Schlossgarten genau so. Dr. Wagner führte seine Gefolgschaft zunächst ins Obere Wasserwerk in der Zeyherstraße, wo man hören konnte, dass der historische Wasserturm mit Pumpenwerk 1771 von Oberbaudirektor Nicolas de Pigage errichtet wurde. Bis heute ist das Wasserwerk mit seinen technischen Einrichtungen erhalten geblieben und versorgt noch heute die im Parterre liegenden Wasserspiele. Interessant war, dass sich in diesem Oberen Wasserwerk der kurfürstliche Eiskeller, der „Gefrierschrank“ des 18. Jahrhunderts, befand.

 

Verschiedene Brunnen und Wasserspiele wie das Vogelbad, das Hirschbassin, die wasserspeienden Vögel und das „Ende der Welt“ wurden besucht. Weiter ging es zum Unteren Wasserwerk mit Aquädukt knapp außerhalb des Gartens. Ausführlich erklärte der Fachmann Dr. Wagner die gesamte Anlage und die Funktionsweise der einzelnen Brunnen und Wasserspiele. Zum Schluss besichtigte die Gruppe die sogenannte „Knochenpoche“, eine historische Knochenmühle, deren Endprodukt, das Knochenmehl, für die Düngung der umfangreichen Nutzgärten und zur Herstellung von Knochenleim verwendet wurde.

Bei kühlen Getränken konnte im Anschluss diskutiert werden, welcher Metzger seine Schlachtreste für die Knochenpoche wohl geliefert hatte.

Gisela Jahn

Heimatverein beim „Türkenlouis“ in Rastatt

Erstellt: Montag, 17. September 2018
Geschrieben von Gisela Jahn

Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende des Neulußheimer Heimatvereins, Brigitte Koch-Brömmer, zum Jahresausflug nach Rastatt (erfreulich, dass zum ersten Mal ein Doppeldeckerbus notwendig war) hatten Mitglieder und Freunde des Vereins knifflige Fragen zu den dortigen Schlössern zu beantworten: war das Gebäude dort nun ein Barock-, ein Renaissance- oder ein Rokoko-Schloss?. Wurde der  Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden Erbprinz, Landesherr oder Türkenlouis genannt?  Wie hieß seine Gattin? Wollte man beim gemütlichen Beisammensein am Abend einen wertvollen Preis ergattern, hatte man der Begrüßungsrede der Vorsitzenden aufmerksam folgen müssen. 

Herrliches Ausflugswetter, gute Stimmung und eine rege Konversation begleiteten die gut eine Stunde dauernde Fahrt.

Nach einer Stärkung im Schlosscafé des Schlösschens Favorite in Rastatt mit seinen weiten Anlagen und besonderen Baumpflanzungen, machte sich die Gruppe des Heimatvereins nach ausgedehntem Spaziergang auf den Weg zum Residenzschloss in Rastatt, erbaut durch Ludwig Wilhelm von Baden, Türkenlouis genannt, im Stile von Versailles. Hier erwartete die  Mitreisenden eine Führung unter dem Titel „Klatsch und Tratsch“ mit einer „Madame“ in historischer Kleidung.

Verschwörerische Gesten, verschmitzte Minen, mit Perlen in der Hochfrisur und feinster höfischer Kleidung, als sie über die intimsten Situationen ihres höchstdekorierten Dienstherrn und seine Verwandtschaftsprobleme berichtete, amüsierte die Zuhörer und Zuschauer aufs Köstlichste. Madame Freifrau Alexandra von Brettheim hielt sich standesgemäß eine „Zofe“ aus dem Besucherkreis, die Handreichungen – mit Hofknicks - machen durfte!

Ihre Stellung am fürstlichen Hofe attestierte Madame von Brettheim über Pikantes und Alltägliches zu reden, auch über den „Kackstuhl“, der im Kabüffchen neben dem mindestens 80 cm hohen Doppelbett stand. Es ließ sich gut ausmachen, wie die hygienischen Zustände in der Zeit des Barock waren. Baden oder duschen waren Fehlanzeige. Parfüm und ähnliche Riechstoffe überlagerten den unvermeidbaren Körpergeruch. Flöhe und Läuse fühlten sich offenbar unter Hochfrisuren, Perücken und weiten Röcken wohl. Für diese Zwecke leistete sich „Frau“ einen Liliputaner unter dem Reifrock, der die Plagegeister dort in Schach hielt. Auch Schoßhündchen, so Madame von Brettheim, erfüllten oft diese Aufgabe. Ungeniert und doch mit vorgehaltener Hand, pardon Fächer, plauderte Madame aus dem Nähkästchen, was ihren Dienstherrn, den Türkenlouis, im Grab sicher zum Umdrehen brachte.

Der Bus brachte die Ausflügler anschließend in das historische Lokal „Zum Hopfenschlingel“. Nachdem man sich mit Schmack-haftem gestärkt und den Flüssigkeitshaushalt geregelt hatte, wurden die Gewinner des Rätsels ermittelt. 1. Gewinnerin war Monika Ballreich, den 2 Preis erhielt Annemarie Brand und den 3. Preis dufte Margot Langlotz in Empfang nehmen – allesamt Gutscheine von Neulußheimer Geschäften.

Den Neilossema Dialekt zu pflegen und den Neu-Neulußheimern  zu vermitteln gehört zu den Aufgaben des Heimatvereins. Es wurden Blätter mit „Neilossema Ausdrick“ verteilt, die es zu übersetzen galt. Was die Tischgemeinschaften zusammen schweißte und anregende Diskussionen entfachte. Sogar Alt-Einheimische rätselten über Wörter wie „Ziwwale“ (kleiner Holzzuber) oder  „Gschmaaßmugg“ (Schmeißfliege) oder „Zommenummeno“ (in einem zusammen fort). Dagegen ist „Weffz“ (Wespe) oder „Bischlä“ (bügeln) ein Klacks.

Wie beim Heimatverein üblich, ging keiner der Reiseteilnehmer mit leeren Händen nach Hause. Jeder erhielt aus dem großen Karton ein süßes Präsent. Man ist gespannt, was der nächste Jahresausflug an Überraschungen parat hat. Alla, bis negschd Joahr.

Gisela Jahn

Die Theateraufführung fiel im wahrsten Sinn des Wortes ins Wasser

Erstellt: Samstag, 28. Juli 2018
Geschrieben von Gisela Jahn

Theateraufführung

Wie jedes Jahr kurz vor Beginn der Ferienspaßzeit in Neulußheim fuhr der Heimatverein mit 25 Kindern zur Freilichtbühne in Mannheim-Gartenstadt.

Die Ränge des Freilichttheaters waren bereits gut besetzt, als die vier Betreuer vom Heimatverein ihre Schützlinge auf die für sie reservierten Plätze brachten. Vor ihnen lag die Spaß verheißende, hübsch dekorierte Bühne, auf welcher Trenk Tausendschlag aus einem armen Dorf, das unter der schlimmen Herrschaft des Ritters „Wertolt der Wüterich“ leidet, erschien. Die Dorfgemeinschaft war arm, fand sich aber wohl oder übel mit der fürchterlichen Herrschaft des Ritters ab. Nur der kleine Trenk nicht, der wollte das ändern.

„Stadtluft macht frei“

Er machte sich mit seinem Ferkelchen auf und davon in die Stadt, denn „Stadtluft macht frei“, dachte er sich. Dabei musste der junge Bursche durch einen dunklen Wald, in dem er den Gaukler Momme Mumm traf. Und er begegnete dem ängstlichen Ritterssohn Zink von Durgelstein, dessen Vater Ritter Dietz von Durgelstein aus ihm einen furchtlosen Ritter voller Tatendrang machen wollte.
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Und dann machte es von oben her plötzlich „Wumm“ – der Himmel verdunkelte sich, es donnerte und blitzte und die Wolken machten ihre Schleusen auf. Nach 20 Minuten Theatergeschehen war das Ganze auch schon zu Ende. Das heftige Gewitter räumte die Ränge und die vom Heimatverein mitgebrachten Regencapes halfen auch nicht mehr.

Binnen weniger Minuten waren alle Kinder in feste, überdachte Räumlichkeiten evakuiert. Die Neulußheimer durften sogar in den Regieraum über der Freilichtbühne. Strömender Regen, Blitze und Donner – das war jetzt ein echtes Abenteuer für die Kinder! Sie betrachteten, eng gedrängt, aber gespannt, die Technik dort. Angst? Hatte keines der Kinder. Sie waren mit den von den Betreuern mitgebrachten Waffeln und Getränken beschäftigt. Nachdem der Starkregen nicht enden wollte, traf die Regie die Entscheidung, dass die Vorstellung abgebrochen werden musste.

Tief enttäuscht und mit hängenden Köpfchen traten die Kleinen die Heimreise mit dem Bus an. Aber schon bald war dieser „Schicksalsschlag“ überwunden, sie spielten und sangen vergnügt bis nach Neulußheim.

Es gab dann noch einen schönen Trost: Die Kinder können mit der Eintrittskarte nochmals kostenlos in eine der kommenden Vorstellungen. Die Karte behält sogar noch bis zum nächsten Jahr ihre Gültigkeit.

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Jahresausflug nach Bretten

Erstellt: Sonntag, 06. August 2017
Geschrieben von Gisela Jahn

Der Halbtags-Jahresausflug in diesem Jahr findet am Samstag, dem 9. September 2017, statt und führt Freunde und Mitglieder des Heimatvereins in die Melanchthonstadt Bretten.

Nach der Ankunft in Bretten beginnt der Nachmittag mit einer  Führung durch das  Melanchthonhaus und danach geht’s zum  gemütlichen Kaffeetrinken. Bis zur Stadtführung um 16.30 Uhr besteht für Interessierte die Möglichkeit, das im Zentrum befindliche Schutzengel-Museum zu besuchen.

Beim gemeinsamen Abendessen im Brauhaus Löwenhof in Bretten gilt es, Neilossemer Mundartwörter zu übersetzen.  Außerdem werden die Gewinner des Preisrätsels ermittelt.  

Anmeldungen bitte schnellstmöglich bei Gisela Jahn, Tel. 06205/33187, oder Jutta Ballreich, Tel. 06205/33304.

Abfahrt mit dem Bus ist um 12.30 Uhr vor dem Rathaus in Neulußheim.

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