Vortrag über Madame de Pompadour

Erstellt: Sonntag, 08. März 2020
Geschrieben von Gisela Jahn

„Herzlich willkommen“ hieß die Vorsitzende des Heimatvereins, Brigitte Koch-Brömmer, die Gäste im großen Saal des evangelischen Gemeindehauses. Die an der Historie Interessierten lauschten einem unterhaltsamen Vortrag von Vorstandsmitglied Dr. Ralf Wagner über Madame de Pompadour.

„Nach uns die Sintflut“ soll ein Ausspruch von ihr sein. „Hat sie nie gesagt, haftet ihr aber bis heute an“ eröffnete Dr. Wagner seine Ausführungen über das Leben von Madame de Pompadour. Die Menschen sind den Mätressen der Könige nur selten wohlgesinnt. Sie nehmen es niemals gut auf, wenn der König ein schlechtes Beispiel gibt. Die Pompadour war jedoch nicht nur die Mätresse von Ludwig XV., dem Sohn des Herzogs von Burgund. Sie war seine Geliebte, seine Unterhalterin, seine Stütze im Leben, Ratgeberin, sein Sprachrohr, seine Freundin. Der eher schüchterne, unsichere und nicht entscheidungsfreudige Ludwig fand bei ihr Zuspruch, Rat und Antrieb für sein politisches Handeln.

Doch zurück in die Geschichte: Ludwig XV. und Madame d’Etioles (Jeanne-Antoinette Poisson) begegneten sich im Februar 1745 erstmals bei einer öffentlichen Feier. Eine Wahrsagerin hatte ihr als Kind orakelt, dass sie einmal die Mätresse des Königs werden würde. Die Pompadour hat denn auch – unauffällig – bei verschiedenen Gelegenheiten den König auf sich aufmerksam gemacht und erhielt so eine Einladung zu einem Maskenball des Königs. Nach ihrer Scheidung und Ernennung zur Marquise de Pompadour, wurde sie bereits im September 1745 offiziell bei Hofe eingeführt. Madame de Pompadour war eine bemerkenswerte Dame, die eine gute Ausbildung genossen hatte. Sie bewegte sich sehr sicher auf dem öffentlichen Parkett. Mit einem Hofknicks vor der Königin, Maria Leszczynska, betonte sie zum Beispiel „die Dienerin der Königin“ zu sein, was diese 1756 mit der Ernennung der Pompadour zur Hofdame honorierte.

Dr. Ralf Wagner untermalte seine Ausführungen mit vielen Fotos vom Hofe, die das Leben um Madame de Pompadour veranschaulichten. Sie ließ sich mit Büchern als Liebha-berin der Künste malen und als gelehrte Frau darstellen. Füße auf einem Bild zeigen war ein absolutes NoGo und unzüchtig. Dagegen war ein üppiges Dekolletee etwas völlig Normales.  Im Jahr 1763 ließ sie sich ein letztes Mal malen. Sie war in-zwischen an Schwindsucht er-krankt und starb am 15.4.1764 in Versailles an einem sonnigen Nachmittag.

Die Vorsitzende dankte Dr. Wagner für seine abwechslungsreiche historische Reise in vergangene Zeiten mit einem Blumenstrauß.

Gisela Jahn

Friedrich V.

Erstellt: Montag, 24. Februar 2020
Geschrieben von Gisela Jahn

Eine beachtliche Anzahl Geschichtsinteressierter des Heimatvereins machte sich auf den Weg ins Kurpfälzische Museum nach Heidelberg, um etwas mehr über das Schicksal von Friedrich V. von der Pfalz zu erfahren.

Eine Führung in der Ausstellung informierte die Neulußheimer über die Politik- und Familiengeschichte des als „Winterkönig“ in die Geschichte eingegangenen Friedrich V. 1596 geboren war er von 1610 bis 1623 Pfalzgraf und Kurfürst von der Pfalz und als Friedrich I. von Oktober 1619 bis November 1620 König von Böhmen. Der protestantische Pfalzgraf verstrickte sich durch religiöse Gegensätze im politischen Europa. Zu Beginn des 30jährigen Krieges nahm Friedrich V. die böhmische Königskrone an – er war zuvor nach Prag übersiedelt - und hatte dadurch Kaiser und Reich gegen sich. Das hatte verheerende Folgen und war einer der Anlässe des 30jährigen Krieges. Friedrich floh nach der im Jahr 1620 gegen Tilly verlorenen Schlacht am „Weißen Berg“ mit seiner Familie ins Exil zu seinen oranischen Verwandten in die Niederlande.

Bereits 1613 hatte Friedrich V. Elizabeth Stuart aus England geheiratet. Die Ehe galt als sehr glücklich; die beiden hatten 13 Kinder, wovon 10 das Erwachsenenalter erreichten. Umfangreiches Bildmaterial, Flugblätter, Münzen, Medaillen und Gemälde von der Familie ergänzten die Ausstellung.

Die derben Formen am Hof seines Vaters löste Friedrich durch einen verfeinerten, eleganten Hofstil ab. Als Friedrich zum ersten Mal Heidelberg sah, meinte er dazu: „Mein Gott, was für ein Kaff“. Er verhalf jedoch dem Heidelberger Schloss mit einem weiteren Ausbau zu königlicher Pracht.

Zahlreiche Gemälde in mächtigen Goldrahmen zeigen unter anderem das Leben Friedrichs V. und seiner Familie im Exil auf dem von ihm erbauten Schloss Rhenen in Geldern und das Dasein der Familie jenseits der Politik.

Friedrich V. litt unter dem Tod seines Sohnes, der in seinem Beisein ertrunken war. Auch die verlorenen Schlachten setzten ihm gesundheitlich zu. Auf einer Reise durch die Pfalz verstarb Friedrich V. plötzlich am 19.11.1632 in Mainz. Seiner geliebten Frau Elizabeth hatte  er noch geschrieben: „Mein liebstes und einziges Herz“ und unterschrieb den Brief mit „Dein treuester Freund und Diener Friedrich“

Beeindruckt von Gesehenem und Gehörtem begab sich die Gruppe zum gemütlichen Abschluss des Tages in das „Güldene Lamm“ zum Dischbediere.      

Gisela Jahn

Heimatverein zu Besuch beim Homo Heidelbergensis

Erstellt: Donnerstag, 19. September 2019
Geschrieben von Gisela Jahn

Zwischen Waldelefanten und Bären

Daniel Hartmann betrat am 21. Oktober 1907 wie gewohnt nach getaner Tagesarbeit seine Stammkneipe in Mauer bei Heidelberg und ließ sich zuerst mal zwei oder drei Schnäpse einschenken. Dann meinte er zu Bekannten und Gästen laut: „Ich glaab, isch hab‘ heit de Adam funne!“. Hartmann war als Sandgrubenarbeiter bei Grabarbeiten im Gewann Grafenrain auf Knochenfragmente, vor allem auf Teile eines 600.000 Jahre alten menschlichen Unterkiefers, gestoßen.

Gespannt lauschten 40 Mitglieder und Freunde des Heimatvereins den Ausführungen der versierten Paläantropologin Kristina Eck aus Speyer. Schautafeln zeigten den Fund des etwa 30 Jahre alten Urmenschen: „25 bis 30 Jahre war die Lebenserwartung vor 600.000 Jahren“. Eck erklärte den Unterschied zwischen den Knochen eines (Ur)Menschen und denen eines Affen: Menschen haben z.B. keine großen Eckzähne wie Affen. Affen wiederum verfügen nicht über ein Kinn wie der Mensch. Eine weitere Tafel zeigte den erstaunten Anwesenden, dass z.Zt. des Homo Heidelbergensis eine Neckarschlinge (Arm des Neckars) das Gebiet um Mauer durchzog. Dennoch haben Untersuchungen bestätigt, dass der Heidelbergensis kein „Schwabe“ sondern ein echter Einheimischer war.

Interessant waren die Erläuterungen im Rathaus über die Entwicklung der Menschheit: Die Anfänge lagen nachweislich in Europa, Afrika und Asien. „Alle Menschen tragen übrigens 4 % der DNA der Neandertaler in sich“ wusste die Referentin.

10.000 Tierfossilien-Funde gab es hier in Mauer, unter anderem lebten in diesem Gebiet Waldelefanten, Wollnashörner, Löwen, Säbelzahntiger und Hyänen sowie Bären und Leoparden. Alles was in Vitrinen an Fragmenten gesammelt war, erklärte Kristina Eck ausführlich.

Nächste Station war die ehemalige Klosterkirche in Lobenfeld, in der Pfarrer Günter Schuler deren bewegte Geschichte erklärte. Erbaut um 1145 von Augustiner-Chorherren aus Frankental erlebte das Kloster die Zugehörigkeit zwischen katholischer und protestantischer Kirche, diente als Klostergut oder stand lange Zeit ungenutzt. Romanische und gotische Wandmalerei, Fresken und eine Dickelorgel von 1773 rundeten das historische Bild ab. Bemerkenswert ist das restaurierte Langhaus, das eine architektonische Besonderheit darstellt.

Heute ist das Kloster Lobenfeld ein Geistliches Zentrum der evangeli-schen Landeskirche Baden. Pfarrer Schuler hielt zum Schluss der Begehung ein Bonbon für den Heimatverein Neulußheim parat: „Ein Quadrat in dem auf den Boden am Aus-/Eingang gemeißelten Kreuz ist speziell für den Heimatverein reserviert“, was dem Pfarrer einen besonders starken Beifall einbrachte.

Dem Geist war Genüge getan, nun wollte der Leib sein Recht: im Gasthaus „Kloster“ stärkte man sich für die Auflösung des Preisrätsels. Große Frage: wer hatte sich die geschichtlichen Fragen gemerkt und wer kannte die Neilossemer Ausdrick?

Den 1. Preis ergatterte sich……., über den 2. Platz – ebenfalls ein Gutschein - freute sich Friedrich Schmitt und auf Platz 3 holte sich den Gutschein Herbert Engelhorn. Alle drei wussten was ein „Nischl“ (Nase), „Zigumma“ (Gurke) oder eine „Altleddischi“ (ältere unverheiratete Frau) sind.

Zur allgemeinen Erheiterung trugen auf zwei Blättern notierte Neilossema Werter bei, bei denen jede/r testen konnte: bin ich än Oigfleischde odda brauch isch Nooch-hilf, damit isch oigebirschert werre konn? 

Jeder Teilnehmer erhielt eine kleine Süßigkeit als Wegzehrung für den Heimweg. Mit neuen Eindrücken und viel Wissen um die nähere Heimat ging es zurück nach „Neilosse“.

Gisela Jahn

Wasserkunst im Schlossgarten

Erstellt: Donnerstag, 20. Juni 2019
Geschrieben von Gisela Jahn

Die kunstvollen Wasserspiele im Schwetzinger Schlossgarten waren das Ziel einer Exkursion des Neulußheimer Heimatvereins. Eine interessierte Gruppe mit Dr. Ralf Wagner, Vorstandsmitglied im Heimatverein, hörte und sah, was es an raffinierter Technik für die kunstvollen Wasserspiele des Schlossgartens braucht „Wasser verschönt den Garten sehr, besonders wenn es fließt und wenn es aus Fontänen hervorsprudelt und springt“ rühmt schon der Intendant der königlichen Gärten in Paris. Das ist im Schwetzinger Schlossgarten genau so. Dr. Wagner führte seine Gefolgschaft zunächst ins Obere Wasserwerk in der Zeyherstraße, wo man hören konnte, dass der historische Wasserturm mit Pumpenwerk 1771 von Oberbaudirektor Nicolas de Pigage errichtet wurde. Bis heute ist das Wasserwerk mit seinen technischen Einrichtungen erhalten geblieben und versorgt noch heute die im Parterre liegenden Wasserspiele. Interessant war, dass sich in diesem Oberen Wasserwerk der kurfürstliche Eiskeller, der „Gefrierschrank“ des 18. Jahrhunderts, befand.

 

Verschiedene Brunnen und Wasserspiele wie das Vogelbad, das Hirschbassin, die wasserspeienden Vögel und das „Ende der Welt“ wurden besucht. Weiter ging es zum Unteren Wasserwerk mit Aquädukt knapp außerhalb des Gartens. Ausführlich erklärte der Fachmann Dr. Wagner die gesamte Anlage und die Funktionsweise der einzelnen Brunnen und Wasserspiele. Zum Schluss besichtigte die Gruppe die sogenannte „Knochenpoche“, eine historische Knochenmühle, deren Endprodukt, das Knochenmehl, für die Düngung der umfangreichen Nutzgärten und zur Herstellung von Knochenleim verwendet wurde.

Bei kühlen Getränken konnte im Anschluss diskutiert werden, welcher Metzger seine Schlachtreste für die Knochenpoche wohl geliefert hatte.

Gisela Jahn

Heimatverein beim „Türkenlouis“ in Rastatt

Erstellt: Montag, 17. September 2018
Geschrieben von Gisela Jahn

Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende des Neulußheimer Heimatvereins, Brigitte Koch-Brömmer, zum Jahresausflug nach Rastatt (erfreulich, dass zum ersten Mal ein Doppeldeckerbus notwendig war) hatten Mitglieder und Freunde des Vereins knifflige Fragen zu den dortigen Schlössern zu beantworten: war das Gebäude dort nun ein Barock-, ein Renaissance- oder ein Rokoko-Schloss?. Wurde der  Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden Erbprinz, Landesherr oder Türkenlouis genannt?  Wie hieß seine Gattin? Wollte man beim gemütlichen Beisammensein am Abend einen wertvollen Preis ergattern, hatte man der Begrüßungsrede der Vorsitzenden aufmerksam folgen müssen. 

Herrliches Ausflugswetter, gute Stimmung und eine rege Konversation begleiteten die gut eine Stunde dauernde Fahrt.

Nach einer Stärkung im Schlosscafé des Schlösschens Favorite in Rastatt mit seinen weiten Anlagen und besonderen Baumpflanzungen, machte sich die Gruppe des Heimatvereins nach ausgedehntem Spaziergang auf den Weg zum Residenzschloss in Rastatt, erbaut durch Ludwig Wilhelm von Baden, Türkenlouis genannt, im Stile von Versailles. Hier erwartete die  Mitreisenden eine Führung unter dem Titel „Klatsch und Tratsch“ mit einer „Madame“ in historischer Kleidung.

Verschwörerische Gesten, verschmitzte Minen, mit Perlen in der Hochfrisur und feinster höfischer Kleidung, als sie über die intimsten Situationen ihres höchstdekorierten Dienstherrn und seine Verwandtschaftsprobleme berichtete, amüsierte die Zuhörer und Zuschauer aufs Köstlichste. Madame Freifrau Alexandra von Brettheim hielt sich standesgemäß eine „Zofe“ aus dem Besucherkreis, die Handreichungen – mit Hofknicks - machen durfte!

Ihre Stellung am fürstlichen Hofe attestierte Madame von Brettheim über Pikantes und Alltägliches zu reden, auch über den „Kackstuhl“, der im Kabüffchen neben dem mindestens 80 cm hohen Doppelbett stand. Es ließ sich gut ausmachen, wie die hygienischen Zustände in der Zeit des Barock waren. Baden oder duschen waren Fehlanzeige. Parfüm und ähnliche Riechstoffe überlagerten den unvermeidbaren Körpergeruch. Flöhe und Läuse fühlten sich offenbar unter Hochfrisuren, Perücken und weiten Röcken wohl. Für diese Zwecke leistete sich „Frau“ einen Liliputaner unter dem Reifrock, der die Plagegeister dort in Schach hielt. Auch Schoßhündchen, so Madame von Brettheim, erfüllten oft diese Aufgabe. Ungeniert und doch mit vorgehaltener Hand, pardon Fächer, plauderte Madame aus dem Nähkästchen, was ihren Dienstherrn, den Türkenlouis, im Grab sicher zum Umdrehen brachte.

Der Bus brachte die Ausflügler anschließend in das historische Lokal „Zum Hopfenschlingel“. Nachdem man sich mit Schmack-haftem gestärkt und den Flüssigkeitshaushalt geregelt hatte, wurden die Gewinner des Rätsels ermittelt. 1. Gewinnerin war Monika Ballreich, den 2 Preis erhielt Annemarie Brand und den 3. Preis dufte Margot Langlotz in Empfang nehmen – allesamt Gutscheine von Neulußheimer Geschäften.

Den Neilossema Dialekt zu pflegen und den Neu-Neulußheimern  zu vermitteln gehört zu den Aufgaben des Heimatvereins. Es wurden Blätter mit „Neilossema Ausdrick“ verteilt, die es zu übersetzen galt. Was die Tischgemeinschaften zusammen schweißte und anregende Diskussionen entfachte. Sogar Alt-Einheimische rätselten über Wörter wie „Ziwwale“ (kleiner Holzzuber) oder  „Gschmaaßmugg“ (Schmeißfliege) oder „Zommenummeno“ (in einem zusammen fort). Dagegen ist „Weffz“ (Wespe) oder „Bischlä“ (bügeln) ein Klacks.

Wie beim Heimatverein üblich, ging keiner der Reiseteilnehmer mit leeren Händen nach Hause. Jeder erhielt aus dem großen Karton ein süßes Präsent. Man ist gespannt, was der nächste Jahresausflug an Überraschungen parat hat. Alla, bis negschd Joahr.

Gisela Jahn

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