Heimatkunde vor Ort

Erstellt: Sonntag, 06. August 2017
Geschrieben von Gisela Jahn

Wie haben die Menschen früher in unserem Ort gelebt? Wie war das in Neulußheim?

Hanspeter Rausch, Vorstandsmitglied des Neulußheimer Heimat-vereins und Gemeinderat, nahm etwa 60 Schülerinnen und Schüler der 3. Klasse der Lußhardtschule mit auf eine Zeitreise zu den Anfängen „unserer Gemeinde“. Er begrüßte die begleitenden Klassenlehrer Tanja Löschmann, Steffen Schneider und Bettina Strempel und freute sich über das Interesse der Schüler an der Ortsgeschichte.

Vom Schulhof der alten Schule in der St. Leoner Straße aus begab sich die stattliche Gruppe in Richtung Kreuzung, an der das ehemalige Wirtshaus „Zum Bären“ stand. Hier führte Rausch die Schüler in die Vergangenheit zurück: „Versetzt euch gedanklich in die Zeit vor 300 Jahren zurück und stellt euch vor, dass genau an dieser Stelle hier alles mal Wald und Ödland war. Es gab lediglich zwei überregional bedeutende Fernwege, die sich an dieser Stelle kreuzten“ begann der Unterricht vor Ort. Die Kinder konnten erfahren, dass durch Kriege, vor allem den bis 1698 andauernden Pfälzischen Erbfolgekrieg, viele Orte zerstört wurden und wenige Menschen in dieser Gegend wohnten, was zur Folge hatte, dass die regierenden Fürsten keine Steuereinnahmen hatten. Und da hatte der württembergische Stabspfleger Julius Schickard die Idee, das Land wieder zu bewirtschaften und neue Siedler anzulocken und erbaute an den sich kreuzenden Straßen einen Meierhof. Rausch zeigte den sehr interessierten Schülern die Stelle, auf der das erste Haus von Schickard stand. Dieser ließ nebenan 1715 eine Gaststätte bauen, das ehemalige Gasthaus „Zum Bären“, in der die auf den Fernstraßen Reisenden „Speis und Trank“ und eine Übernachtungsmöglichkeit fanden.

Der Ortsgründer Schickard hatte 1719 mit dem Bau einer Ziegelhütte Einwohnern und Arbeitern ein Einkommen ermöglicht. „Ja hier auf dem Grundstück vom Obsthof Hoffmann stand sie“ bestaunten die Kinder das heute grüngestrichene Haus. „Und wo gingen die Kinder zur Schule?“ kam die nächste Frage. Den ersten Unterricht gab es 1715 bei Wolfgang Cornelius Scholl im Obergeschoss über dem  Gasthaus „Zur Krone“ in der Hockenheimer Straße. Das Haus wurde ab 1907 als Bäckerei umgebaut. Lehrer Scholl war gleichzeitig Barbier, Chirurg und zog auch kranke Zähne. Die Kinder staunten nicht schlecht, dass die Schule damals nicht der Mittelpunkt im Leben der Kinder und Jugendlichen war. Unterricht fand nur im Winter statt. Und die Eltern mussten Heizmaterial mitgeben, damit die Schüler nicht froren. Im Sommer brauchten die Eltern die Hilfe ihrer Kinder im heimatlichen Bauernhof und auf den Feldern. Da gab’s keinen Unterricht.

Weiter ging die Exkursion zur evangelischen Kirche. Bei der Kirchengeschichte hat die jungen Neulußheimer besonders beeindruckt, dass um die Kirche herum der Friedhof angelegt war und die Gebeine der Verstorbenen wegen des Baus der neuen Kirche 1909 und des Rathausneubaus 1914 auf den neuen Friedhof in Richtung Reilingen verlegt wurden. „Kann es sein, dass sich heute noch Knochen hier befinden?“ meldete sich ein hochgestreckter Finger. Was Rausch verneinen konnte.

Der Abschluss der neuen Art von Unterrichtsstunde fand im Rathaus und dem Bürgerbüro statt. Die ortskundlich gut vorbereiteten Schüler konnten sehen, wo der Bürgermeister und die Rathausmitarbeiter arbeiten. Sie hörten auch, dass im Keller früher das Orts-Gefängnis war: „Ist das Gefängnis noch in Betrieb?“ kam es hoffnungsvoll aus der Gruppe. Das wäre  der Knaller gewesen! Rausch konnte eine Besichtigung, weil es das Gefängnis natürlich schon lange nicht mehr gibt, leider nicht ermöglichen. Aber viele Fragen konnte er doch noch beantworten. Die informative Rundreise durch den Heimatort beschloss Brigitte Koch-Brömmer, die Vorsitzende des Neulußheimer Heimatvereins: Sie hatte für den langen Weg zurück in die Schule eine Stärkung für die Schüler mitgebracht.

Gisela Jahn

Jahreshauptversammlung des Neulußheimer Heimatvereins

Erstellt: Sonntag, 19. März 2017
Geschrieben von Gisela Jahn

Mit einem erfreulichen Paukenschlag eröffnete die Vorsitzende des Neulußheimer Heimatvereins, Brigitte Koch-Brömmer, die gut besuchte Jahreshauptversammlung im „La Fontana di Capri“: „Unser Museum für Ortsgeschichte feiert in diesem Jahr sein 25jähriges Jubiläum“.

In diesem Zusammenhang klärte sie auch auf, wer den Begriff „Kulturtreff Alter Bahnhof“ des inzwischen über die Grenzen Neulußheims bekannten und geschätzten Kulturtempels geprägt hat. Es gab diverse Vermutungen dazu, was die Vorsitzende veranlasste, Unterlagen der Gründungsjahre ihres Vereins zu durchforsten. Und da steht es  schwarz auf weiß im Protokoll der Vorstandssitzung vom 4. November 1992: Es war der Heimatverein, der vor 25 Jahren unter dem Begriff  „Kulturtreff Alter Bahnhof“ eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen hat, die mit einer Bibel- und Krippenausstellung begonnen hat. In den folgenden Jahren wurden unzählige Veranstaltungen von Kunst-, Musik- und Literaturliebhabern durchgeführt.

In einem Überblick informierte sie die Anwesenden über die Jahresaktivitäten wie Sitzungen des Arbeitskreises „Erster Weltkrieg bis zur Gründung der BRD“, der zu diesem Thema eine Ausstellung zusammen stellt. Ein Highlight war die von Dr. Ralf Wagner konzipierte und im letzten Monat eröffnete Ausstellung zum Lutherjahr im Alten Bahnhof.

Koch-Brömmer schilderte die Schwierigkeiten und Hindernisse für die Durchführung des diesjährigen Sommertagzugs am 2. April. Ein veränderter Zugverlauf wird notwendig, ein neuer Platz für die Verbrennung des Schneemanns muss akzeptiert werden und eine gesonderte teure Haftpflichtversicherung hat der Verein selbst zu tragen.

Schriftführerin Jutta Ballreich erinnerte an die Vereinsaktivitäten im vergangenen Jahr wie die beliebte Preisverleihung anlässlich des Luftballonwettbewerbs 2015, dessen Erlös in Höhe von 500 Euro dem Projekt „Gemeinsam statt einsam“ zugutekam. Über Dr. Ralf Wagners Vortrag zum „Feinen Leben auf dem Lande“, die von ihm organisierte Fahrt durch das „Barocke Mannheim“, das beliebte Spargelessen „unterm Nussbaum“, von dessen Erlös über 1.500 Euro die evangelische Gemeindejugend profitierte, oder dem Ferienspaß mit 25 Kindern im Freilichttheater Mannheim-Gartenstadt bei „Nils Holgerson“  berichtete Ballreich anschaulich. Eine Konstante im Vereinsleben ist der jährliche Kerwespektakel mit Luftballonfliegen und Besuch der Haus Edelberg-Bewohner. Der 2016 erwirtschaftete Erlös vom Luftballonwettbewerb ging dieses Mal an das „Schulfruchtprogramm der Lußhardtschule“.

Dr. Ralf Wagner berichtete vom Arbeitskreis „Kultur“ und einer Ausstellung im Historischen Museum Speyer über Richard Löwen-herz, die der Heimatverein besuchen wird und schlug vor, das Schloss Bruchsal gemeinsam zu besuchen. Vorträge von Dr. Wagner fallen künftig den neuen beruflichen Herausforderungen zum Opfer.

Hanspeter Rausch für den Museumsausschuss dankte Hermann Hoffmann für seine Exponate, die er für die neue Luther-Ausstellung zur Verfügung stellt. Dank ging auch an Dieter Villhauer, der für die eingangs erwähnte geplante Ausstellung bereits viele Gegenstände zusammen getragen hat. „Das ‚Neilossema Werterbuch‘ ist am Wachsen und wird in ein bis zwei Jahren wohl fertig sein“ freute sich Rausch.

Kassenwartin Sigrid Beck vermeldete eine stabile finanzielle Kassenlage, legte stimmige Zahlen über Ausgaben wie Einnahmen auf den Tisch. Kassenprüfer Leo Hölzel bestätigte mit dickem Lob eine einwandfreie Führung der Finanzen und bat um Entlastung der Kassiererin sowie des Gesamtvorstands, welche durch die  Mitglieder ohne Gegenstimmen erfolgte.

Im letzten Tagesordnungspunkt Wünsche und Anregungen hatte Hermann Hoffman ein Anliegen betreffs des Hoffmann-Denkmals im Pfarrgarten. „Man sollte es vor Umwelteinflüssen schützen und erhalten“ regte er an. Vorsitzende Brigitte Koch-Brömmer will die Sache im Auge behalten. Ob eine schützende Haube von der Sache her als auch finanziell machbar ist wurde diskutiert. „Würde auf jeden Fall ein schwieriges Unterfangen sein“ war die Überleitung zum gemütlichen Teil des Abends.

Gisela Jahn

Reformations-Ausstellung des Heimatvereins

Erstellt: Dienstag, 31. Januar 2017
Geschrieben von Gisela Jahn

Sie steht, die Ausstellung über die Reformation, und wartet am kommenden Sonntag auf ihre Besucher in den Räumen des „Alten Bahnhofs“ in Neulußheim: viele aussagefähige Plakate informieren über Martin Luther und die Reformation, die vor 500 Jahren so vieles veränderte. In voller Länge sind zum Beispiel Luthers 95 Thesen, die er im Jahr 1517 an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg anschlug, zu lesen.  

Auch Gegenstände, die an die Zeit vor 500 Jahren erinnern, haben die fleißigen Hände der Vorstandsmitglieder des Neulußheimer Heimatvereins aufgestellt und beschriftet. Abgebildet sind unter anderem die Kutte, die der damalige Mönch, Prediger und Theologe Luther getragen hat oder eine „Ablass-Truhe“, in welche die umstrittenen Ablassbriefe eingelegt wurden.

Eine spezielle Abteilung befasst sich  mit der Chronik der Neulußheimer Kirchengemeinde von 1716 bis 2009. Seltene Bibeln aus der Zeit Mitte siebzehntes Jahrhundert und Anfang des 20.Jahrhunderts, auch eine Hauspostille aus dem Jahr 1900 und weitere Utensilien liegen aus.

Die Ausstellungseröffnung beginnt mit einem Gottesdienst am Sonntag, dem 5. Februar 2017, in der evangelischen Kirche. Pünktlich um 11 Uhr beginnt der Gottesdienst.

Im Anschluss findet im „Alten Bahnhof“ um 12 Uhr die Vernissage statt. Die Bevölkerung ist, wie auch zum Gottesdienst, dazu herzlich eingeladen.

Gj

Vortrag über das „feine Leben auf dem Lande“ und englische Gärten

Erstellt: Montag, 01. Februar 2016
Geschrieben von Gisela Jahn

Zu einem Bilder-Vortrag besonderer Art führte Dr. Ralf Wagner, Vorstandsmitglied des Neulußheimer Heimatvereins, die zahlreich erschienenen interessierten Mitglieder und Freunde des Vereins. Sie blickten mit dem Referenten über den sogenannten Tellerrand hinaus hinüber nach England in die schönen weitläufigen Gärten des Inselreichs. Innerhalb imposanter, riesiger Gärten waren Schlösser und prunkvolle Landhäuser zu sehen, und Wagner führte die Anwesenden in das „feine Leben auf dem Lande“ innerhalb derer Mauern ein. Der englische Landschaftsgarten entwickelte sich im 18. Jahrhundert. Man richtete sich nach der Natur und ihren Ausblicken. Es sollte sich das Prinzip einer natürlichen Landschaft mit unterschiedlichen und abwechslungsreichen Eindrücken widerspiegeln. Der englische Landschaftsgarten bietet malerische Ansichten. Blumen-Bepflanzungen fehlen allerdings fast gänzlich in den weitläufigen Landschaften. Es gibt sie jedoch innerhalb der sogenannten Wall-Gardens, also hinter Mauern.

Gigantische Brücken spannen sich über eigens angelegten Seen vor den herrschaftlichen Anwesen. Die romantischen Grünanlagen sind durch aus der Ferne unsichtbare Gräben, Aha genannt, von der umgebenden Agrar-Landschaft abgegrenzt und wirken dadurch riesig groß. Als Akzente wurden in den Gärten antike Tempel, künstliche Ruinen, Grotten und Einsiedeleien errichtet, vorbei an schlängelnden Wegen und Flüssen und großzügig windenden Wegen.

In Hardwick-Hall passen die Aufseher in zeitgenössischen Kostümen auf wertvolle „Erste-Sahne-Möbel“ auf, wunderbar große Eingangshallen wechseln ab mit Fotos von Deckengemälden in der Painted Hall. In dem recht lebendig gehaltenen Vortrag zeigte Dr. Wagner das 600 Jahre alte Knole, eine mittelalterlich wirkende kleine Stadt, in der äußerlich keine Veränderungen vorgenommen werden und die als Filmkulisse für alte Filme dient. Der Filmkulisse dient auch Lacock Village aus dem 17./18. Jahr-hundert. Dort, so berichtet Ralf Wagner, werden die Harry-Potter Filme gedreht.  

Der National Trust bietet urlaubswilligen Interessenten an, in solch historischen Häusern für entsprechendes Entgelt Ferien zu machen.                                

Mit farbenfrohen Fotos von der Chelsea-Gartenschau 2015 endete der kurzweilige und abwechslungs-reiche Abend, für den die Vorsitzende des Neulußheimer Heimatvereins, Brigitte Koch-Brömmer, sich mit einem Blumenpräsent bedankte.

Gisela Jahn

Preisverleihung / Luftballonwettbewerb

Erstellt: Samstag, 30. Januar 2016
Geschrieben von Gisela Jahn

Übergabe der 500,--Euro an die ev. Kirchengemeinde

Das übervolle Clubhaus des SC Olympia platzte aus allen Nähten und  Stehplätze waren bei dem Andrang der Gewinner, die zum Teil mit dem ganzen Familienclan gekommen sind, vorprogrammiert. Der Neulußheimer Heimatverein hatte 55 Preis-träger zur Preisverleihung anlässlich des Luftballonwettbewer-bes an Kerwe 2015 eingeladen.

„Das ist phänomenal“ begrüßte Hanspeter Rausch vom Heimatverein die Gäste: „350 Ballons sind an beiden Kerwetagen aufgestiegen, so viel wie seit Beginn unserer Aktion 1989 nicht“ erfuhren die erwartungsvollen Gäste. Der Wind trieb die bunten Leichtgewichte in diesem Jahr in Richtung Süd/Südost und bescherte schon mal dem Letztplatzierten 9,1 km nach St. Leon-Rot, begann Rausch humorvoll seine Erläuterungen. Er stellte unter anderem fest, dass der Ballon von Toni Hoffmann, Sohn von Apfelbauer Hoffmann, treffenderweise auf einem Acker gefunden wurde. Noch präziser machte es der Ballon von Elias Dörrmann: sein Papa ist Dachdeckermeister und sein roter runder Ballon wurde von einer Dachrinne! geholt. Den Vogel schoss jedoch Adrian Nitsche ab: er ließ für den guten Zweck an Kerwe viele Luftballons steigen und sahnte dafür drei Preise ab. Das Publikum hatte seine Freude an den Fundorten wie „in Opas Garten“ oder in einem Weinberg, im Wald oder einem Altersheim. Hanspeter Rausch ließ die Spannung ansteigen, die drei ersten Preisträger wurden bekannt gegeben:

Die weiteste Reise hatte der Ballon von Marie-Celine Roth aus Neulußheim nach DE-92245 Kümmersbruck. Er hatte tatsächlich 244 Kilometer geschafft. Den zweiten Preis konnte Leonie Schmitt aus Neulußheim, deren Ballon in der Schweiz in Hüntwangen gefunden wurde, in Empfang nehmen. Er hatte 188,6 km zurück gelegt. Beate Wischer aus Altlußheim konnte den 3. Platz belegen. Auf dem Weg nach Beringen in der Schweiz hatte ihr Luftballon 176,5 km hinter sich gebracht. Neben wertvollen Gutscheinen für die drei Erstplatzierten erhielten alle Gewinner ein Präsent und einen frisch gebackenen Hefe-Schneemann aus der Hand der Vorsitzenden des Neulußheimer Heimatvereins Brigitte Koch-Brömmer. Auch für die Geschwisterkinder gab es jeweils einen gebackenen Schneemann.

Diese Aktion ist jährlich immer wieder durch die Großzügigkeit von Sponsoren zu stemmen. Hanspeter Rausch dankte in diesem Zusammenhang der Sparkasse, der Volksbank und Leo Hölzel von der Firma Phoenix in Mannheim.

Die Einnahmen der Kerwe-Luftballons gehen jedes Jahr an eine gemeinnützige Einrichtung. Dieses Mal wurde die Maßnahme „Gemeinsam statt einsam“ der evangelischen Kirchengemeinde unterstützt. In Vertretung der kurzfristig erkrankten Pfarrerin Katharina Garben nahmen Gerda Schellenberger und Katharina Thorn erfreut und dankend einen Scheck über 500,-- Euro in Empfang.

„Der Neulußheimer Heimatverein hofft, dass wir uns bei der nächsten Kerwe wieder am Luftballonstand treffen“ waren die Schlussworte von Hanspeter Rausch nach der gelungenen Veranstaltung.

Gisela Jahn

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