Ein Streifzug durch die wichtigsten Etappen der Dorfgeschichte, wie sie in unserem Archiv dokumentiert sind.
Siedlungsgebiet
Für die Entwicklung unserer Landschaft ist das geologische Erdzeitalter des Tertiärs, die Erdneuzeit vor 65 bis 2,6 Millionen Jahren, verantwortlich. In dieser Zeit bildete sich durch gewaltige Bewegungen im Erdinneren der Oberrheingraben. In der Folge waren es vor allem die großen Klimaschwankungen, die abwechselnd für Warm- und Eiszeiten sorgten und das heutige Landschaftsbild prägten. Die gewaltigen Kies- und Sandablagerungen in der Oberrheinebene, mit einer Größe von bis zu 2.000 Metern in unserem Gebiet, stammen aus dieser Zeitphase. Die letzte Eiszeit war die Würm-Kaltzeit, die vor 115.000 Jahren begann und vor 10.000 Jahren vor heute endete. Die Auswirkungen sind heute noch in der näheren Umgebung zu erkennen. So bildete sich in dieser Zeit das gewaltige Flusssystem des Rheins mit seinen Auen und Altrheinschlingen. Den Übergang zur Niederterrasse bildet das am südlichen und nördlichen Gemarkungsrand noch deutlich zu erkennende Hochgestade. Die Flächen der Niederterrasse sind bedeckt mit Sand, der in den Kaltzeiten von der Rheinniederung auf das umliegende Land geblasen wurde und der sich zwischen Sandhausen und Schwetzingen zu imposanten Binnen-Sanddünen mit einer Höhe von bis zu 21 Metern aufschichtete.
Villa Luzheim
In der ersten schriftlichen Überlieferung von 946 wird der erste Name mit „villa luzheim“ angegeben (villa = Landhaus). Es finden sich aber auch die folgenden Schreibweisen:
Julius Schickard
Der Neulußheimer Ortsgründer Julius Friedrich Schickard stammte aus einer bedeutenden württembergischen Familie. Die Schreibweise des Familiennamens variiert von Schickard zu Schickardt und Schickhardt. Die frühesten Wurzeln der Familie finden sich 1455 in Siegen in der Herrschaft Nassau. Seit 1503 findet man die Familie im württembergischen Herrenberg wieder
Lußhofen 1723
Des Dorfes Lußhofen oder deßen Inwohnern Häußer Anno 1723
Gemarkung und Besiedelung
Gemarkungsplan von 1724 mit dem Bachbett des Kriegbaches (Grichbach), der zu dieser Zeit noch in den Wagbach mündete.
Lußhofen oder Calabria
Gründung eines „Hofguth zu Lußheim“. Nach dem Ende des Pfälzischen Erbfolgekrieges 1697 lag die Siedlung Lußheim in Schutt und Asche. Nur 18 Bürger und Hintersassen, 13 Witwen und 28 Waisen hatten überlebt.
Ortsentwicklung 2
Mit dem Übergang Alt- und Neulußheims an das Großherzogtum Baden im Jahr 1806 aufgrund der von Napoleon diktierten Rheinbundakte ging die Niedergerichtsbarkeit auf das Amtsgericht in Schwetzingen über. Die Rüggerichtstage dienten nun nicht mehr der Strafverfolgung, sondern der Kontrolle der Ortsverwaltung durch die Bezirksbehörde, später Ortsbereisung genannt.
Ortsentwicklung 3
1714 verlegte Julius Schickard den Verlauf der großen Landstraße Heidelberg-Philippsburg-Durlach (in der Neuzeit Bundesstraße 36) in die Ortsmitte nach Neulußheim. So entstand die markante Kreuzung mit der alten Handelsstraße Nürnberg-Metz, die von Speyer, über Alt- und Neulußheim nach Walldorf, Sinsheim und Bad Wimpfen führte (spätere Bundesstraße 39).
Herkunft der Neulußheimer
Seit der Gründung Neulußheims im Jahre 1711 war ein steter Zuzug von Siedlern und Neubürgern zu verzeichnen. Die meisten von ihnen hatten einen handwerklichen Beruf, waren Bauern oder Gastwirte. Nur wenige waren Taglöhner. Ein Teil dieser Siedler blieb über mehrere Generationen hier wohnen, einige zogen aber nach wenigen Jahren bereits weiter. Von den ersten Siedlern leben heute noch Nachfahren mit den Familiennamen Ballreich, Bühler, Haffner, Krauß, Kuppinger, Rausch, Stief oder Thorn in der Gemeinde.